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20.05.2010 // DAS FINALE! Die Gewinner
Vielen Dank für sechs wunderbare Festivaltage, die in einem unvergesslichen Finale mündeten.
Schon sehr bald folgt mehr zum Abschlussabend im Theater, heute schon mal die Gewinner und entsprechende Auszüge aus den Laudationes.
BESTER FILM INTERNATIONAL, dotiert mit 1000 Euro, gestiftet von der AUDI AG
"La Autoridad" von Xavi Sala
"Unvoreingenommenheit und eine familiäre Sicherheit werden von Xavi Sala auf eine harte Probe gestellt, in dem die Schrauben der Kontrolle in LA AUTORIDAD immer stärker angezogen werden. Fast wortlos gelingt es dabei, diese Steigerung hin zur Schikane überzeugend darzustellen, eine Leistung, die auch am grandiosen Mimemspiel liegt, mit dem durch Blicke auf einer weiteren Ebene observiert wird.
Was bleibt, ist Fassungslosigkeit, die schließlich auch zu Regungslosigkeit führt - besonders in jenen schrecklichen Minuten, in denen die Familie auf das verunglückte Auto der Polizisten stößt. In den zermürbenden Minuten der Gelähmtheit, die eigentlich schon Handeln erfordern und es doch nicht ausschließen, läuft der Film im Film ein zweites Mal ab und wirft Fragen auf, die LA AUTORIDAD nicht beantwortet - was den Film auszeichnet.
LA AUTORIDAD ist ein Roadmovie, das Bewegung und Regungslosigkeit auf bestechende Art mit moralischen und politischen Fragen verknüpft. Die große Beobachtungsgabe und Tiefe hat die Wucht eines abendfüllenden Spielfilms.
Herzlichen Glückwunsch.
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BESTER SPIELFILM NATIONAL, gestiftet von der IFG Ingolstadt GmbH, dotiert mit 500 Euro
"London liegt am Nordpol"
von Achim Wendel
Zunächst einmal muss hier Grundsätzliches festgestellt werden: „London liegt am Nordpol“ ist ein Spielfilm. In manchen Momenten könnte man das glatt vergessen. Lukas Krämer, der Hauptdarsteller, spielt eigentlich drei Rollen: Peter, Peter (engl.), und ein klein wenig auch sich selbst. Es gibt Filme, die haben Hauptfiguren. Dieser Film hat einen Helden.
Es ist sehr schwierig, ein Spielfilm-Drehbuch mit der Wirklichkeit zu verweben. Autor Andreas Klee, Regisseur Achim Wendel und Produzent Benjamin Huber lassen es einfach scheinen. Sie fangen etwa ein, was Pubertät bedeutet, eine Zeit, in der ein Blick die Welt bedeuten kann und ein bisschen Sonnencreme auf dem Rücken eines Mädchens noch viel mehr.
„London liegt am Nordpol“ hat einen ganz eigenen Erzählrhythmus und eine atmosphärisch sehr dichte Bilderwelt, ruhig, mit Sinn für Details und einer sensibel begleitenden Kamera. Man muss sich einlassen auf diesen Film, und wer das tut, wird mit Szenen von großer Intensität belohnt. Der Zuschauer findet also viel Wirklichkeit in „London liegt am Nordpol“, aber auch viel Fantasie. Peter flieht in eine Comicwelt, und das Publikum ist dabei an dem Sommertag im Schwimmbad, als er mutig aus ihr ausbricht.
„London liegt am Nordpol“ ist ein Film, der an Schulen gezeigt wird, man nennt so etwas dann „Unterrichtsfilm“. Es gibt Unterrichtsfilme, die sind dröge, die gehören nichts ins Kino. Dieser schon. Er gehört ins Kino, er gehört auf ein Festival wie 20min/max, und für uns gehört er dort zu den Siegern.
„London liegt am Nordpol“ gewinnt den Preis für den besten Film national, gestiftet von der IFG Ingolstadt GmbH, dotiert mit 500 Euro. Herzlichen Glückwunsch!
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NACHWUCHS-PREIS, gestiftet von der Sparkasse Ingolstadt, dotiert mit 500 Euro
"Laufende Geschäfte"
von Falk Schuster
Falk Schuster hat mit LAUFENDE GESCHÄFTE eine Welt geschaffen, in der Zeit und Konsum für zwei Menschen ganz unterschiedlich definiert werden, obwohl sie beide im selben Haus leben. "Sie" hat ihre Rituale, "Er" dagegen lässt seinen Lebensrhythmus von Werbebroschüren bestimmen, deren Kauffaufforderungen er prompt, fast blind nachkommt (ein schöner Kniff, dass schon die Walking Acts keine Sehschlitze haben). So unterschiedlich die Lebensentwürfe sind, so wunderbar werden sie durch die Ästhetik des FIlms und die sehr liebevolle Figurenzeichnung vereint. Die Ruhe der Erzählung schließlich macht den Moment des Baumfällens fast unerträglich und es ist beachtlich, mit wie reduzierten MItteln aber einem sehr durchdachten dramaturgischen Aufbau ein Film so intensive Momente erzeugen kann und dem Staunen Raum gibt.
Die Geschäfte sollen für Falk Schuster bestens laufen findet die Jury und zeichnet ihn mit dem Nachwuchs-Preis der Sparkasse Ingosltadt aus, der mit 500 Euro dotiert ist.
Herzlichen Glückwunsch.
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NACHWUCHS-PREIS, gestiftet von der Sparkasse Ingolstadt, dotiert mit 500 Euro
"Mira83"
von René Eckert
René Eckerts Film MIRA83 kann keinem bestimmten Genre zugeordnet werden. Er ist, wie ihn der Regisseur selbst nennt, ein ?Experiment mit der Realität?.
Geschichten und Farbigkeiten sind in diesem Film wie eine Matroschka aufgebaut, dabei aber in sich so verschachtelt und vertrackt, dass in jeder "Film-Matroschka" noch eine weitere zum Vorschein kommt. Die äußerste Matroschka ist in Farbe und bildet scheinbar die Realität ab. Der Regisseur tritt selbst vor die Kamera und erzählt von einem gesellschaftspolitischen Belang,
der ihn fasziniert. Für sein filmisches Experiment sucht er sich einen Menschen, auf den diese Geschichte mit ähnlichen Reaktionen projeziert werden kann, um sie dann in einem dritten
Interpretationsschritt auf die Leinwand zu übertragen. Auf die dokumentarische Einleitung
folgt eine filmisch sehr liebevoll umgesetzte schwarz/weiß-Bildfolge, die zum Zentrum der Geschichte führt: Badewanne, Spülbecken, Seifenschaum, Rasierschaum, Bierschaum. Ort der Handlung: eine Bar. Mira83 trifft dort auf ihren Gesprächspartner - ?Du erkennst mich an den roten Schuhen?. Irrelevant in einem Schwarz/Weiß- Film, ebenso wie die 100% Wahrheitsentsprechung zwischen Myspace-Profil und dem Hier und Jetzt. Relevant ist Miras Geschichte, die den Zuschauer nach und nach gefangen nimmt und durch die Athentizität der Charaktere einen bestechenden Sog entwickelt. Die Frage nach der Echtheit tritt dabei
vollkommen in den Hintergund, und doch macht gerade die Ungewissheit darüber, was die Realität ist, diese Geschichte so stark (wahrhaftig).
MIRA83 ist ein Film, der zu jedem Zeitpunkt den Wunsch nach einem nicht enden wollenden Auspacken der Matroschkas erfahrbar macht. Am Ende weiß man nicht mehr, was wahr und was Fiktion ist. Ist möglicherweise alles wahr? Oder alles Fiktion? Ist möglicherweise Fiktion, was zuerst als wahr erschien und wahr, was als Fiktion erschien? Ist die Myspace-Welt eine Fiktion und die ?echte Welt? die Wahrheit? Oder andersrum? Oder ist vielleicht jede Wahrheit auch
Fiktion und jede Fiktion gleichzeitig Wahrheit?...
Wir finden in jedem Fall MIRA83 ist ein hochgradig spannendes, feinfühliges, tiefgründiges, witziges und vor allem sehr gelungenes Experiment mit der Realität. Deshalb geht der mt 500 Euro dotierte Nachwuchspreis der Sparkasse Ingolstadt an René Eckert und seinen Film Mira83.
Herzlichen Glückwunsch.
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PREIS FÜR DEN BESTEN DOKUMENTARFILM, dotiert mit einer Symposiums-Teilnahme beim Documentary Campus e.V.
"Zwischen Welten"
von Dorothea Carl
ZWISCHEN WELTEN ist ein Dokumentarfilm von Dorothea Carl, in dem sieben Frauen mit Migrationshintergrund Einblick in ihre Leben zwischen verschiedenen Kulturen geben. ZWISCHEN WELTEN wählt für die Portraits der sehr unterschiedlichen und allesamt starken Frauen den white cube, einen weissen Raum, der mit nichts ablenkt. NIcht nmur gibt diese Aufnahmesituation dem Film eine Intensität und Ruhe, auch kann so auf behutsame und kluge Art zwischen den einzelnen Erfahrungsberichten gesprungen werden. Obwohl oder gerade weil Doro Carl einen so neutralen Raum gewählt hat, bleibt der Film als Plädoyer in Erinnerung, Plädoyer für eine Identitätsbestimmung, die nicht nur über Negativdefinition, Abgrenzung oder Herkunft funktioniert. ZWISCHEN WELTEN erhält für seine zurückhaltende Filmregie, den Schnitt und die Protagonistinnen den Sachpreis für den besten Dokumentarfilm.
Herzlichen Glückwunsch.
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LOBENDE ERWÄHNUNG
"Rummel"
von Benjamin Teske
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LOBENDE ERWÄHNUNG
"Za Plotem"
von Marcin Sauter
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